Hydrolate (Pflanzenwasser) selber machen
Inhaltsverzeichnis

Warum Hydrolate?

Die Herstellung von Hydrolaten (Pflanzenwasser) ist eine von mehreren Methoden um wertvolle pflanzliche Inhaltsstoffe zu extrahieren und konservieren um diese später z.B. für die Zubereitung von Naturkosmetik, Hygieneprodukten oder Heilmitteln zu verwenden (weitere Methoden wären z.B. Tinkturen und Mazerate).

Wirklich professionell hergestellte Hydrolate sind ein Nebenprodukt der Wasserdampfdestillation von Pflanzen. Für diejenigen unter uns, die nicht gerade zufällig ein Destilliergerät daheim herumstehen haben, wird es daher eher nicht möglich sein, ein Hydrolat auf diesem Niveau herzustellen. 

Allerdings ist es durchaus möglich, "Amateur"-Hydrolate zuhause ganz einfach selber zu machen und ich muss sagen, dass diese für meine Verwendungszwecke bis jetzt absolut ausreichend waren, da sie immer noch genügend Wirkstoffe zu enthalten scheinen.

Doch warum solltest du dir eigentlich die Mühe machen, diese Produkte selber herzustellen anstatt sie einfach zu kaufen?

Kurz zusammengefasst:

- Höhere Kontrolle über die Inhaltsstoffe

- Frei von Tierversuchen 

- Weniger Verpackungsmüll - besser für die Umwelt 

- Sehr viel günstiger als gekaufte Produkte vergleichbarer Qualität

- Individuelle Anpassung an deine Bedürfnisse

Ich zeige dir nun die Herstellung anhand eines Hydrolats, das ich später als Basis für selbstgemachtes Shampoo benützen will.

Zeitaufwand und Kosten

Zeitaufwand:

  • 7 Minuten

Kosten für 460 ml Hydrolat:

  • EUR 1,00

Herstellungsschritte

Du benötigst

Hydrolate Pflanzenwasser selber machen

- Pflanzen, deren Inhaltsstoffe du extrahieren möchtest

- Eine Kaffeekanne nach italienischer Art (Mokkakanne)

- Ein gut verschließbares Behältnis zur Aufbewahrung (z.B. ein leeres Marmeladen- oder Gurkenglas oder eine leere Flasche)

- Wasser

- Einen Löffel

Beispiel für die Komposition der Inhaltsstoffe des Hydrolats

Da mein Hydrolat einmal als eine der Grundzutaten für selbstgemachtes Shampoo gegen fettige Haare dienen soll, habe ich hierfür die folgenden Pflanzen ausgewählt:

Brennnessel: regulieren die Fettbildung, beruhigen die Kopfhaut und kräftigen das Haar; als Bonus helfen sie auch noch u.a. gegen Schuppen und Haarausfall

Pfefferminze: reguliert die Talgproduktion

Lavendelblüten: hilft gegen strähnige Haare, steigert außerdem die Zellregenerierung und hilft gegen Schuppen

Rosmarin: vermindert die Talgproduktion; stärkt obendrein die Haarfolikel und fördert dadurch das Wachstum

Solltest du genau dieses Hydrolat herstellen wollen, so findest du hier die Mengenangaben:

- Brennnesselpulver 5 EL

- Getrocknete Pfefferminze 2 EL

- Getrocknete Lavendelblüten 1 EL

- Getrockneten Rosmarin 1 TL

- 530 ml Wasser

ergeben

ca. 460 ml Hydrolat

Die Zutaten sollten im Idealfall alle bio bzw. frei von Schadstoffen sein, denn je unbelasteter die Grundzutaten sind, desto hochwertiger wird natürlich auch das fertige Hydrolat.

Ich gebe dir außerdem weiter, was mir eine Kräuterpädagogin geraten hat: Verwende maximal 5 verschiedene Pflanzen für die Herstellung des Hydrolats, da sich deren Wirkstoffe andernfalls eventuell gegenseitig kontraproduktiv beeinflussen könnten. 

Aufsetzen

Hydrolate Pflanzenwasser selber machen

Mit der Mokkakanne stellst du das Hydrolat fast genauso her wie du normalerweise Kaffee zubereitest.

Füll den unteren Behälter mit Wasser (der Pegel sollte unterhalb des Ventils bleiben), setz das Trichtersieb in den Behälter und füll das Sieb mit den Pflanzen, deren Inhaltsstoffe es zu extrahieren gilt. Setz dann den oberen Teil der Mokkakanne auf den Behälter auf und schraub sie fest an, damit später kein Dampf oder Wasser austritt.

Stell die Kanne nun auf den Herd. Im Gegensatz zur Kaffeezubereitung stelle ich die Herdplatte allerdings nicht auf die höchste, sondern nur auf die mittlere Stufe. Dadurch dauert die Herstellung zwar etwas länger, aber ich denke, sie ist schonender.

Anmerkung: Solltest  du keine Mokkakanne besitzen, kannst du als Notlösung auch einfach sehr starken Tee zubereiten.

Abfüllung und Aufbewahrung

Hydrolate Pflanzenwasser selber machenHydrolate Pflanzenwasser selber machenHydrolate Pflanzenwasser selber machen

Sobald das Hydrolat auszutreten beginnt, kannst du die Herdplatte ausschalten und die Kanne von der Hitze nehmen. Danach wird das Pflanzenwasser in ein zuvor mit kochendem Wasser (am besten im Wasserkocher erhitzen - das spart Energie) sterilisiertes Gefäß abgefüllt.

Du solltest das Gefäß dann noch zur Gänze auskühlen lassen, bevor du es zur Aufbewahrung in den Kühlschrank stellst. Das Hydrolat ist einige Wochen lang haltbar.

Die Pflanzen, die im Sieb zurückbleiben, kannst du noch einmal wiederverwenden um Tee herzustellen. Da sie allerdings schon feucht sind, solltest du den Tee möglichst sofort / bald aufgießen, da sich sonst Schimmel bilden kann. Die von mir verwendete Menge an Pflanzen reicht noch für 2-3 Teeaufgüsse von jeweils ca. 1 Liter. Jetzt im Sommer trinke ich den Aufguss als Eistee.

Anwendung

Hydrolate können vielseitig verwendet werden:

- direkt pur z.B. als Gesichts- oder Rasierwasser

- als Zutat in Naturkosmetikprodukten

- als Zutat in Heilmitteln

- zum Kochen

- als Getränk

Zusatzinfo: Woher bekommst du die Zutaten?

Brennnessel: Wir pflücken diese einfach im Wald und konservieren sie, indem wir sie zu Brennnesselpulver verarbeiten. Wie das geht, erfährst du in diesem Artikel

Pfefferminze in Bioqualität: Pfefferminze zum Selberabfüllen erhältst du in Wien z.B. beim Greißler; in der Kräuterdrogerie füllen sie dir das Produkt auf Wunsch in ein mitgebrachtes Gefäß ab. Da die Verkäuferin den Behälter zwingend mit Inhalt und Haltbarkeitsdatum beschriften muss, nimm am besten einen Stift mit, der auf dem von dir mitgebrachten Behälter haftet - so muss nicht extra eine Etikette verbraucht werden. Die Ware in der Kräuterdrogerie ist zwar nicht offiziell bio-zertifiziert, wurde jedoch auf Schadstoffrückstände und Wirkstoffinhalt überprüft; falls du nicht in Wien wohnen solltest, hier meine Empfehlung

Lavendelblüten in Bioqualität: In der Kräuterdrogerie in Wien füllen sie dir das Produkt auf Wunsch in ein mitgebrachtes Gefäß ab. Da die Verkäuferin den Behälter zwingend mit Inhalt und Haltbarkeitsdatum beschriften muss, nimm am besten einen Stift mit, der auf dem von dir mitgebrachten Behälter haftet - so muss nicht extra eine Etikette verbraucht werden. Die Ware in der Kräuterdrogerie ist zwar nicht offiziell bio-zertifiziert, wurde jedoch auf Schadstoffrückstände und Wirkstoffinhalt überprüft; falls du nicht in Wien wohnen solltest, hier meine Empfehlung (Achtung, hier gibt es je nach Anbieter gravierende Preisunterschiede bei ein- und demselben Produkt. Meiner Erfahrung nach sollte die 70g-Packung nicht mehr als EUR 5,00 kosten!)

Rosmarin in Bioqualität: Bekommst du in Wien z.B. unverpackt beim Greißler; falls du nicht in Wien wohnen solltest, hier meine Empfehlung

Mokkakanne: Solltest du im Moment keine haben, dir aber gerne eine zulegen wollen, so empfehle ich dir die Marke Bialetti. Ich habe zwei Modelle von ihnen und die Dinger halten wirklich ewig (eine davon habe ich seit 10 Jahren). Das Hydrolat habe ich mit diesem Modell hergestellt.

Anmerkung: 

Wie man sieht, kaufe ich einige der Produkte, die ich regelmäßig zur Herstellung von Kosmetika, etc. in Verwendung habe, zurzeit noch verpackt, da ich bis jetzt leider noch keine andere Lösung gefunden habe. Sobald ich eine bessere - verpackungsfreie - Lösung gefunden habe, werde ich dir die Info natürlich weitergeben.

Des Weiteren möchte ich anmerken, dass du einige der von mir empfohlenen Produkte auch in gut sortierten Bioläden oder Reformhäusern oder teilweise auch in normalen Supermärkten erwerben kannst und prinzipiell würde ich dir aus der Perspektive des Umweltschutzes auch immer empfehlen, "offline" und ohne Auto einkaufen zu gehen anstatt online zu bestellen (da im letzteren Fall mehr Verpackung und längere Transportwege anfallen). Solltest du allerdings keinen Zugang zu Geschäften haben, die die von mir empfohlenen Produkte anbieten, so halte ich es immer noch für besser, dir online die Zutaten zu beschaffen, die du zur Herstellung deiner eigenen Produkte benötigst als industrielle Produkte offline zu kaufen. Da viele der Zutaten vielseitig verwendbar sind und für einen langen Zeitraum ausreichen, fällt hierbei in Summe noch immer weniger Müll an und außerdem hast du sehr viel mehr Kontrolle darüber, welche Stoffe du in und an deinen Körper lässt. Solltest du online bestellen, so würde ich dir raten, möglichst immer mehrere Produkte zum selben Zeitpunkt zu bestellen (anstatt immer nur ein Produkt pro Bestellung), da in diesem Fall die verschiedenen Produkte - wenn logistisch möglich - in nur einem Paket gemeinsam versandt werden anstatt in mehreren separaten Paketen und dadurch das Abfallaufkommen zumindest reduziert wird. Alternativ oder zusätzlich kannst du dich auch mit anderen Leuten zusammentun um eine gemeinsame größere Bestellung an eine einzige Adresse zu tätigen und die Produkte dann lokal zu verteilen.

Autor

Ausgelöst durch intensives frühkindliches Umweltschutz-Brainwashing wurde ich mit der Zeit zum experimentierfreudigen Nachhaltigkeitsjunkie mit ausgeprägten Kräuterhexenambitionen.

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